Üben für den Ernstfall: Eine fiktive Verpuffung sorgte in der LOTTO Thüringen ARENA am Rennsteig für das entsprechende Szenario. Foto: R. Knoll
Üben für den Ernstfall: Eine fiktive Verpuffung sorgt in der LOTTO Thüringen ARENA am Rennsteig für ein Szenario, das Rettungskräfte und Organisatoren auf eine praxisnahe Probe stellt. Foto: R. Knoll

Sichere Weltmeisterschaften: Helfer trainieren für den Ernstfall

Eine fiktive Verpuffung sorgt in der LOTTO Thüringen ARENA am Rennsteig für ein Großaufgebot von Feuerwehr, Polizei und Hilfskräften. Die Vollübung - die unter möglichst realistischen Bedingungen stattfand - dient der Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen, die im Ernstfall auf Organisatoren, Behörden sowie Einsatzkräfte warten.

Oberhof - Mehr als 200 Einsatzkräfte haben heute in Oberhof in einem fiktiven Szenario die Rettung von zahlreichen Verletzten bei einem Großereignis erfolgreich trainiert. Die gemeinsame Übung des Landratsamtes Schmalkalden Meiningen, des Thüringer Wintersportzentrums Oberhof (TWZ), der Oberhofer Sport und Event GmbH (OSE GmbH) sowie von Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienst fand unter dem Titel „Sommercup Biathlon“ in der Lotto Thüringen Arena am Rennsteig statt. Konfrontiert wurden die Einsatzkräfte mit zahlreichen, zum Teil schwerverletzten Personen, die nach einer fiktiven Verpuffung versorgt und zum Großteil in Kliniken transportiert werden mussten.

Die Vollübung, in die auch die umliegenden Leitstellen und Katastrophenschutzeinheiten (Ilm-Kreis, Wartburgkreis und Landkreis Gotha) einbezogen waren, fand unter möglichst realistischen Bedingungen statt: Ehrenamtliche Rollenspieler mimten Fans, Sportler, Trainer und Journalisten, der Brand wurde durch Rauchpatronen und Pyrotechnik simuliert. Auch die Verletztendarsteller waren professionell geschminkt – für künstliche Brandwunden oder scheinbare Splitterblessuren hatte das Schmink-Team der Verletztendarstellung des DRK-Landesverbandes Thüringen bereits in den frühen Morgenstunden gesorgt.

Jeder Rollenspieler bekam bereits im Vorfeld eine Handkarte mit einem Verletztenmuster zugewiesen. Zunächst transportierten die insgesamt rund 100 Einsatzkräfte alle Verwundeten in ein vermeintliches VIP-Zelt, das im Szenario zunächst durch die Einsatzleitung geräumt werden musste. Von hier aus wurden die Verletzten erstversorgt, stabilisiert und in die Kliniken transportiert.

SIMULATION REALER EINSATZZEITEN

Den Abtransport der Patienten in umliegende Krankenhäuser simulierte die Übungsleitung, indem die Aufnahmekapazitäten der Krankenhäuser in Suhl, Schmalkalden, Meiningen, Gotha, Ilmenau, Friedrichroda und Bad Salzungen abgefragt und die Patienten bis zu einem zentralen Sammelpunkt gefahren wurden. Real wurden die Kliniken nicht angefahren. Die Rettungsfahrzeuge fielen dafür für eine gewisse Sperrzeit aus der Übung, um die reale Fahrtzeit in die Kliniken zu berücksichtigen.

Auch die rund 50 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Steinbach-Hallenberg, Zella-Mehlis und Oberhof hatten alle Hände voll zu tun. Nachdem der „Brand“ gelöscht war, retteten sie beispielsweise „Journalisten“ von den Trümmern des TV-Compound-Gerüstes, leisteten technische Hilfe und unterstützten die Rettungskräfte bei der Verlegung der Verletzten ins Behandlungszelt. Polizeikräfte regelten den Verkehr und sorgten so für eine sichere An- und Abfahrt der Einsatzkräfte. Zudem sorgten die Beamten dafür, dass alle Verletzten sowie die zugehörigen behandelnden Kliniken registriert wurden.

„Wir haben dieses fiktive Übungsszenario extra so gewählt, dass unsere Rettungskräfte in Größenordnung Akuthilfe leisten müssen, aber bei der Massenanzahl an Verletzten auch Prioritäten bei der Versorgung und dem Transport in die Kliniken setzen mussten“, konstatierte Kreisbrandinspektor Philipp Prenzel, der die Übung federführend vorbereitet hatte. „Ziel war es heute zu trainieren, damit im Ernstfall alles reibungslos funktioniert.“

"JEDE ERKENNTNIS IST GOLD WERT"

Auch Vizelandrätin Susanne Reum, im Landratsamt für den Fachbereich Ordnung und Sicherheit verantwortlich, war mit dem Ergebnis der Übung zufrieden: „Theoretisch weiß man meist, was zu tun ist, aber die Praxis ist immer der beste Lehrmeister. Das gilt gerade hier aufgrund der komplett umgestalteten Infrastruktur und der Tatsache, dass die letzten beiden Weltcups ohne Fans durchgeführt wurden. Es fehlen uns hier also noch Erfahrungswerte“, so Reum. In diesem Zusammenhang sei es wichtig gewesen, die Abläufe aus dem Sicherheitskonzept des Veranstalters für die WM anhand eines Szenarios mit vielen Verletzten zu testen und das Zusammenspiel dessen Einsatzleitung mit den Behörden und Einsatzkräften aus Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst.

„Ich denke, das hat heute gut funktioniert. Jede Erkenntnis ist natürlich im Vorfeld eines solchen Großereignisses immer Gold wert“, sagt Reum. Die Rückmeldungen und Analysen würden in den nächsten Wochen ausgewertet. „Auch, wenn das heutige Szenario ein fiktives war, muss man dennoch auf alle Lagen vorbereitet sein. Das erwarten wir von uns selbst, denn 2023 gilt nicht nur ,Übung macht den Weltmeister‘, sondern auch ,Übung macht sichere Weltmeisterschaften‘.“

„Die sichere Durchführung der Biathlon-WM hat für uns oberste Priorität. Deswegen war es auch für uns als Ausrichter wichtig, im Vorfeld der Titelkämpfe zu üben, um allen Teilnehmern größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten“, sagt OK-Chef Thomas Grellmann.

Ein großes Lob richteten Reum und Prenzel an die ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die gezeigt hätten, dass im Ernstfall immer auf sie Verlass wäre. Ein Dankeschön ging auch an die ehrenamtlichen Rollenspieler, die eine solche Übung erst ermöglicht hätten. (ce/se)